Der Luchs in Uri

23. Mai 2017

An der Mitgliederversammlung des WWF Uri stand der Luchs im Zentrum. Experte Fridolin Zimmermann zeichnete spannend nach, wie die Wildkatze den Kanton Uri besiedelte und erzählte spannende Geschichten, die sich vergangenen Winter zutrugen. Quintessenz: Der Luchs ist in Uri seit knapp 10 Jahren so richtig heimisch.

Jungluchs (c) Fritz Poelking WWF

Der Luchs beschäftigt den WWF seit längerem. Die Wildkatze bewegt sich heimlich, das Wissen um das schöne Tier in der Bevölkerung ist auch deshalb gering. Zwischen 2016 und 2018 führt der WWF deshalb zahlreiche Aktionen durch, zu der die Öffentlichkeit eingeladen wird, um dem Luchs auf die Spur zu kommen. Auch die Mitgliederversammlung war mit einem öffentlichen Vortrag dem Thema gewidmet. Fridolin Zimmermann von KORA, der Raubtierforschungsstelle des Bundes zeichnete spannend nach, wie die Wildkatze den Kanton Uri besiedelte und erzählte spannende Geschichten, die sich vergangenen Winter zutrugen 

Luchszählung

Die wenigsten haben ihn je gesehen und doch ist der Luchs oft in den Schlagzeilen. Luchse ernähren sich hauptsächlich von Rehen und Gämsen. Das ist nicht jedem Jäger genehm, da es auch der Jäger auf diese beiden Tierarten abgesehen hat. Luchse haben es aber nicht nur auf dieselbe Beute abgesehen, sie machen das Wild auch scheuer und somit für den Jäger schwieriger zu jagen. Deshalb erheben Teile der Jägerschaft die Forderung nach Regulation. Es gäbe zu viele Luchse im Kanton, so der Vorwurf. Stimmt das? Da helfen schliesslich nur Fakten. KORA führt deshalb schweizweit mit Unterstützung der Kantone und des Bundes regelmässige Fotofallen-Erhebungen in verschiedenen Referenzgebieten durch, die Aufschluss über die Luchsbestände und ihre Entwicklung geben. Auch in Uri fand im Winter 2016/17 ein sogenanntes Monitoring statt, erstmals fast flächendeckend über den ganzen Kanton Uri und mit Hilfe von Jägern und WWF-Freiwilligen.

Langsame Besiedlung von Uri

In den frühen Siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts begann die staatliche Wiederansiedlung des Luchses in Obwalden, auch um die Schäden von insbesondere Rehen am Wald einzugrenzen. Die Ansiedlung wurde in einer Art «Deal» auch von den örtlichen Jägern mitgetragen, die im Gegensatz grünes Licht für die Wiederansiedlung von Rotwild bekamen. Es dauerte zehn Jahre, bis der Luchs 1981 zum ersten Mal in Uri wieder nachgewiesen wurde, nachdem er seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf Kantonsgebiet nie mehr gesehen wurde. Den ersten Nachweis einer Vermehrung in oder um Uri lieferte ein 1986 in der Nähe von Seelisberg im Urnersee ertrunkener Jungluchs. Dieser Nachweis war eine Ausnahme, es dauerte 20 Jahre bis in Uri eine zweite Reproduktion festgestellt werden konnte. Zimmermann zeichnet auf, dass der Luchs erst ab 2007 in Uri regelmässig Nachwuchs hatte und erst ab dann sich ein konstanter Bestand bildete. Trotz verstärkter Luchspräsenz war der Bestand des Luchses aber auch im Winter 2013/14 im Referenzgebiet Zentralschweiz Mitte gemäss den Erhebungen und Schätzungen von KORA noch gering. Zimmermann fasst zusammen: «Hochgerechnet hielten sich gemäss unseren Erhebungen von 2013/14 acht Luchse in Uri auf. Die Zahlen aus dem Monitoring von 2016/17 stehen noch aus».

Hat es zu viele Luchse in Uri?

Wann hat es zu viele Luchse? Gibt es überhaupt ein Zuviel? Zimmermann beantwortet die Frage aus dem Publikum sachlich: «Für den Luchs selbst gibt es kein Zuviel. Es liegt in der Natur, dass die Bestände von Wildtieren schwanken. Der  Mensch, beziehungsweise die Jäger hätten aber gerne Kontinuität». Luchse regulierten sich natürlicherweise am Bestand der vorhandenen Beutetiere. Wieviel Luchse es leiden möge, sei deshalb eine Frage der gesellschaftlichen Akzeptanz. Dies zeigte auch ein Exkurs des Fachmanns, der das Rad in die ausgehenden 1990er-Jahre drehte. Zimmermann schilderte, wie im Berner Oberland die Rehbestände wegen einigen warmen Wintern stark angestiegen waren. Damit nahmen auch die Luchse zu. Auch die Jagd auf das Reh wurde intensiviert, nicht zuletzt wegen der Forderung der Forstwirtschaft, die Schäden am Wald zu reduzieren.  Als Reaktion auf den Rückgang seines Hauptbeutetiers Reh wichen die Wildkatzen vermehrt auf Nutztiere aus, was nun auch noch zu Konflikten mit den Bauern führte. Der grösste Konflikt war jedoch die Konkurrenz mit den Jägern. Die Akzeptanz des Luchses war dahin. Trotz staatlichem Abschuss von schadenstiftenden Luchsen und Umsiedlungen hielt auch Wilderei Einzug.

Aufklärung tut Not

Um solche Zusammenhänge aufzuzeigen und über Raubtiere aufzuklären, wird der WWF in Altdorf im September eine grosse Ausstellung zu Luchs, Wolf und Bär durchführen. Kurt Eichenberger, Geschäftsführer des WWF Uri sagt dazu: «Wir möchten aufzeigen, wie Raubtiere ihre Umgebung beeinflussen, welche Rolle sie im Ökosystem spielen aber auch wie man Konflikten begegnen kann». Wie wichtig es ist, ökologische Zusammenhänge zu kennen, zeigt ein Blick 150 Jahre zurück: Der Wald war stark übernutzt. Der Schutz menschlicher Siedlungen war dadurch stark vermindert, Hochwasserkatastrophen an der Tagesordnung. 1876 wurde dem Raubbau mit dem bis heute geltenden Waldgesetz ein Riegel geschoben. Damit und mit einem neuen Jagdgesetz erholten sich auch Reh, Hirsch und viele andere Tierarten wieder, die zuvor verschwunden waren. Heute sind die Wildbestände so gut wie selten zuvor, womit auch Raubtiere nachziehen und die natürlichen Interaktionen zwischen den Arten wiederherstellen.

Hinweis: Der WWF führt in Altdorf zwischen dem 31.8. und dem 20.9. eine Grossraubtierausstellung durch: Wolf, Luchs & Bär - Uri hat sie alle!

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