Hochwasserschutzprojekt Reuss: Aqua Viva und WWF fordern grundsätzliche Überarbeitung des Projekts

27. November 2019

Die Umweltverbände Aqua Viva und WWF haben gegen das vom Kanton Luzern geplante Hochwasserschutzprojekt Reuss Einsprache eingereicht. Die Gewässerraumausscheidung erfüllt die gesetzlichen Vorgaben nicht und geplante Kiesentnahmen gefährden Lebensräume geschützter Arten. Damit vergibt der Kanton eine Jahrhundertchance für mehr Hochwassersicherheit und mehr Natur.

Bereits zum zweiten Mal reichen die Umweltverbände Aqua Viva und WWF Einsprache gegen das Hochwasserschutzprojekt des Kantons Luzern an der Reuss ein. Dieses sieht zwischen Emmen und Honau auf 13.2 Kilometern Länge Hochwasserschutz- und Renaturierungsmassnahmen vor. Schon im März 2016 lag das Projekt öffentlich auf und wurde von verschiedenen Seiten mit Einsprachen belegt. In der Zwischenzeit hat der Kanton das Projekt leicht überarbeitet. Bezüglich Ökologie hat sich jedoch nichts gebessert. Auf die wesentlichen Punkte der damaligen Einsprache der Umweltverbände wurde nicht eingegangen. Für Aqua Viva und WWF ist dies unverständlich.

 

Ein Generationenprojekt basierend auf falschen Annahmen

Das Hochwasserschutzprojekt des Kantons basiert auf falschen Annahmen. Der Kanton hat den Gewässerraum, also den Raum, welcher der Reuss zukünftig zur Verfügung stehen muss, aus nicht zwingenden Gründen viel zu eng ausgelegt.  Gemäss einem vom WWF in Auftrag gegebenen Gutachten, sind auch die dynamischen Bereiche, wo die Reuss mäandrieren kann, viel zu kurz ausgelegt. „Der Kanton traut sich offenbar nicht an eine grundsätzliche Überarbeitung des Projekts. Damit nutzt er den rechtlichen Spielraum nicht und vergibt eine Jahrhundertchance für mehr Hochwasserschutz und gleichzeitig mehr Natur“ sagt Kurt Eichenberger, Geschäftsleiter des WWF Luzern.

 

Lebenswichtiges Geschiebe für Äschen, Seeforellen und Lachse

Die Verbände kritisieren auch die vorgesehene Bewirtschaftung von Geschiebe. Das WWF-Gutachten zeigt, dass die geplanten Kiesentnahmen im Sinne des Hochwasserschutzes unnötig und schädlich für die Natur sind. Hanspeter Steinmetz, Geschäftsführer von Aqua Viva betont: „Die Reuss ist für die stark bedrohten Äschen und Seeforellen eines der wichtigsten Schweizer Gewässer. Auch der Lachs könnte hier wieder einen Lebensraum finden. Diese Arten benötigen jedoch ausreichend Kies zum Laichen. Mit den geplanten Kiesentnahmen gefährdet der Kanton den Lebensraum dieser Tierarten in der Reuss.“

 

Die Verbände Aqua Viva und WWF fordern vom Kanton eine grundlegende Überarbeitung des Projekts. Der Kanton scheint nach dem Opportunitätsprinzip vorzugehen und Konflikten aus dem Weg zu gehen. In Zeiten einer Biodiversitäts- und Klimakrise müssen solche Jahrhundertchancen aber konsequent für einen maximalen Gewinn an Natur genutzt werden. 

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