Kanton Uri ist auf dem besten Weg, eine einmalige Chance auszulassen

20. September 2018

Im Auftrag des Urner Umweltrats reichte der WWF Uri am 21. August ein «Konkurrenzprojekt» zum Kraftwerk Meiental ein. Die Baudirektion weist das Gesuch nun aus formellen Gründen zur Verbesserung zurück, da es sich nicht um ein Kraftwerkprojekt, sondern um ein Schutzprojekt handle. Dass inhaltlich nicht auf das Gesuch eingegangen wird, ist für den WWF enttäuschend. Weicht die Baudirektion nicht von ihrem Kurs ab, verpasst der Kanton eine einmalige Chance, ein wunderschönes Tal zu schützen und dabei erst noch Geld zu verdienen.

Das Gesuch des WWF Uri enthält einen Leitfaden für die Beantragung des Landschaftsrappens, sowie ein Gutachten, das aufzeigt, dass dem Meiental nationale Schutzwürdigkeit zukommt. Dank diesen Unterlagen hätte es der Kanton Uri in der Hand, das Meiental über die VAEW-Verordnung des Bundes zu schützen. Damit würde unter gewissen Umständen sogar mehr verdient, als über die Wasserzinsen des geplanten Kraftwerks. Dann nämlich, wenn das Kraftwerk weniger als 34 Jahre in Betrieb wäre – ein Szenario, das nach Wegfall der kostendeckenden Einspeisevergütung und den gefallenen Marktpreisen durchaus eintreten könnte.

 

Umweltrat fordert vertiefte Analyse

Baudirektor Roger Nager lehnte das Gesuch des WWF Uri faktisch ab, indem er es zur Verbesserung zurückwies. Eingereicht werden könne lediglich ein «richtiges» Kraftwerkprojekt. «Dass das Gesuch formell abgelehnt wird, können wir nachvollziehen», sagt Kurt Eichenberger, Geschäftsleiter des WWF Uri, stellvertretend für die Umweltverbände von Uri. «Dass aber offenbar keine inhaltliche Auseinandersetzung über die Alternative des Landschaftsrappens stattfindet, ist volkswirtschaftlich bedenklich.» Angesichts der unsicheren wirtschaftlichen Langzeitprognosen für Kleinwasserkraftwerke und den zu erwartenden Rechtsstreitigkeiten über die Nutzung der Meienreuss, drängt sich der Landschaftsrappen geradezu auf. Das geplante Kraftwerk im Meiental würde ungefähr 85% Sommerstrom produzieren, dann also, wann es keinen zusätzlichen Strom braucht und mit diesem wenig verdient wird. «Der Landschaftsrappen ist deshalb eine hervorragende Alternative. Ein herrliches Tal und eine Gewässerperle können geschützt werden und fürs «Nichtstun» kassiert der Kanton jährlich auch noch rund 340'000 Franken!», meint Eichenberger. Der Urner Umweltrat fordert die Baudirektion deshalb auf, seine Haltung zu überdenken und eine vertiefte Analyse von Chancen und Risiken, sowohl des Kraftwerks als auch des Landschaftsrappens vorzunehmen. 

 

Schutz wäre für Meiental kein Nachteil

Für das Meiental entstünde mit dem Landschaftsrappen eine Art Bestandes-Schutz. Was bisher möglich war, wird auch künftig möglich sein. Da das Meiental bereits unter Landschaftsschutz und Weilerschutz steht, sind die Entwicklungen im Tal heute schon stark eingeschränkt. Der Landschaftsrappen würde also kaum etwas am jetzigen Zustand ändern. Durch den Schutz würde das Tal jedoch bekannter und die touristischen Nutzungen bekämen weiter Auftrieb. Und zuletzt stünde es dem Kanton frei, die Korporation und die Gemeinde Wassen über den Landschaftsrappen auch an den Einkünften zu beteiligen, so dass entgangene Steuereinnahmen und Wasserzinsen an Gemeinde und Korporation abgegolten werden könnten.

 

Greina-Hochebene als gutes Beispiel

Dass der Landschaftsrappen eine gute Alternative ist, zeigt das Beispiel der Greina-Hochebene. Hier war ein Stausee geplant. Aufgrund des Widerstands von Umweltverbänden und Einheimischen und dank dem Landschaftsrappen konnte die wunderschöne Landschaft erhalten werden. Heute ist die Greina-Hochebene ein unverzichtbares Wanderparadies und damit eine Perle für den Tourismus in Graubünden. Solche Perlen sind in der Schweiz selten geworden und gewinnen zunehmend an Bedeutung.

  

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