Kraftwerk Meienreuss: Umweltverbände fordern Verzicht über Einsprache

13. November 2018

Gestern haben WWF und Pro Natura Uri im Auftrag des Urner Umweltrats fristgerecht Einsprache gegen das Kraftwerk Meiental eingelegt. Auf das Kraftwerk soll verzichtet werden. Der Kanton Uri ist darauf nicht angewiesen, um seine Energie-Ziele zu erreichen. Zudem gibt es gerade im Meiental überzeugende Alternativen zum Projekt.

Die Meienreuss bei Färnigen (c) Leo Lengwiler, WWF

Das Meinental ab Hohberg in Richtung Osten (c) Fabian Haas, WWF

Fristgerecht legten die Urner Kantonalsektionen und die schweizerischen Verbände von WWF und Pro Natura am 12. November Einsprache gegen das Kraftwerk Meienreuss der CKW ein, dies im Auftrag des Urner Umweltrats. «Das geplante Kraftwerk widerspricht jeglicher Vernunft. Wir fordern den Regierungsrat dazu auf, dem Projekt die Konzession zu verweigern» sagt Kurt Eichenberger, Geschäftsleiter des WWF Uri. «Weder ist ein weiteres Kraftwerk nötig, noch lässt sich ein solches im Meiental rechtfertigen.»

Kraftwerk Meienreuss nicht nötig: Energieziele des Kantons sind erreicht

In der 2013 vom Kanton in Kraft gesetzten Schutz- und Nutzungsplanung für erneuerbare Energie wird aufgezeigt, welche Gewässer in Uri genutzt oder geschützt werden sollen. Damit sollten die in der Urner Gesamtenergiestrategie festgehaltenen Ziele von 10 % mehr Strom aus Wasserkraft gegenüber 2006 erfüllt werden. Diese Ziele sind heute mit den bewilligten oder sich in Bau befindlichen Kraftwerken Fellibach, Schächen, Alpbach und Palanggenbach bis auf eine vernachlässigbare Strommenge bereits erreicht, wie der Urner Umweltrat nachgerechnet hat. Dies wird von den Verantwortlichen des Kantons auch anerkannt. «Die Stromziele des Kantons sind erreicht. Mit der Nutzung der Meienreuss würde eine Gewässerperle absolut unnötig geopfert», sagt Alf Arnold vom Urner Umweltrat, der die Berechnungen angestellt hat.

Ökonomisch und ökologisch bestechende Alternative: Der Schutz des Meientals über den «Landschaftsrappen»

Als Alternative hatte der WWF Uri dem Regierungsrat am 22. August 2018 vorgeschlagen, das Meiental, so wie es heute ist, gegen Entschädigung über den «Landschaftsrappen» unter Schutz zu stellen. Die Umweltschutzorganisation stützen sich auf ein Expertengutachten, welches dem Meiental nationale Bedeutung attestiert, was eine wesentliche Voraussetzung für den Bezug des Landschaftsrappens ist. Über den «Landschaftsrappen» würden die postulierten Wasserzinsen des Kraftwerks zu einem wesentlichen Teil ausgeglichen. «Unser Alternative hat gegenüber dem Kraftwerksprojekt der CKW fast nur Vorteile und enthält im Unterschied zum politisch umstrittenen Wasserzins null Risiko», meint Kurt Eichenberger. Ein herrliches Tal mit seiner Kultur- und Naturlandschaft und seinem Herzstück, der imposanten Meienreuss, bliebe unversehrt erhalten. Dem Kanton stünde es frei, auch Korporation und Gemeinde zu beteiligen.

Sinnvollere Stromgewinnung möglich: Göscheneralpsee erhöhen

Sollte der Kanton der Ansicht sein, dass es trotz der erreichten Energieziele einer weiteren erneuerbaren Energiequelle bedarf, fordert der Urner Umweltrat ihn auf, vor seinem Entscheid über das Kraftwerk Meienreuss die Erhöhung der Staumauer des Göscheneralpsees detailliert zu prüfen. Bei diesem Projekt konnte nach einer Einsprache der Umweltverbände eine Lösung für eine schonende Umsetzung gefunden werden. Es wurde 2011 jedoch insbesondere wegen Uneinigkeit zwischen dem Kanton und der Kraftwerk Göschenen AG (KWG) betreffend der sogenannten Restwertbemessung schubladisiert. «Dieses Projekt liegt pfannenfertig auf, verursacht relativ wenig Schaden an der Natur und liefert das, was wir in Uri und in der Schweiz wirklich brauchen: Mehr Winterstrom», sagt Pia Tresch, Geschäftsleiterin von Pro Natura Uri, die damals an den Verhandlungen mit der KWG beteiligt war. Die KWG gehört zu 50% der CKW, derselben Firma also, die das Projekt im Meiental verfolgt. Die Stauseeerhöhung würde dank der neuen Energieförderungsverordnung 2018 des Bundes heute in den Genuss von 35% Investitionsbeiträgen kommen. Gemäss Auskünften des Kantons sollen die notwendigen Investitionen bis zum Konzessionsende nicht amortisiert werden können. Die Umweltverbände verlangen hierzu die Veröffentlichung einer genauen Prüfung, inklusive der Erwägung einer frühzeitigen Neukonzessionierung. Es kann nicht sein, dass das fragwürdige Kraftwerk Meienreuss konzessioniert wird, ohne dass man bei Kanton und CKW zuvor ernsthaft über die in etwa gleich teure und viel sinnvollere Staudammerhöhung des Göscheneralpsees diskutiert hat.  

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