Missverständliche Aussagen zum Luchs

15. März 2018

In Artikeln der Urner Zeitung vom 12.3. und des Urner Wochenblatts vom 14.3. wird Andreas Gnos, Vizepräsident des Urner Jägerverein, folgendermassen zum Thema Luchsregulation zitiert: … man sei Ende Januar mit den Umweltverbänden zusammengekommen. Dank guten Gesprächen habe man sich für eine Kompromisslösung entschieden.» Diese Aussagen sind irreführend. Lesen Sie, wie es wirklich war:

(c) David Lawson WWF UK/Canon

2016 hatte Landrat Alois Zurfluh eine parlamentarische Empfehlung zur Regulierung des Luchsbestandes im Kanton Uri eingereicht. Der Regierungsrat hatte darauf geantwortet, dass zuerst die notwendigen Entscheidungsgrundlagen vorliegen müssen. Nachdem diese Grundlagen erarbeitet waren, wurden Umwelt- und Jagdverbände Ende Januar vom Kanton Uri zu einem runden Tisch geladen. Der Kanton präsentierte die Ergebnisse des Fotofallenmonitorings, die Situation des Wildverbisses im Wald und weitere wichtige Entscheid-Grundlagen. Er schlug den anwesenden Verbänden vor, bei den am gemeinsamen Luchs-Kompartiment beteiligten Kantone und beim Bund eine Voranfrage für einen Regulierungsantrag zu machen.

Umweltverbände fordern Luchs-Föderung

Die Umweltverbände legten dar, dass man anstatt einer Regulierung vielmehr eine Bestandes-Stützung der Luchspopulation diskutieren müsste. Der Luchsbestand ist Alpen-weit gesehen noch sehr verletzlich, bräuchte dringend eine Blutauffrischung und eine verbesserte internationale Zusammenarbeit. Die Jäger machten dagegen klar,  dass es in Uri ihrer Meinung nach dringend einer Regulation des Luchses bedarf. Der Vorschlag für eine Voranfrage durch den Kanton wurde von den Jägern als zu wenig weit gehend scharf kritisiert. Die Umweltorganisationen stellten sich auf den Standpunkt, die Kriterien für eine Regulation wären nicht erfüllt und man solle zuerst die eidgenössische Jagdgesetzesrevision abwarten. Bezüglich dem Vorschlag des Kantons eine Voranfrage an den Bund zu machen, meinte der WWF Uri aber, da könne man auch gerade den direkten Weg eines Antrags wählen. Der Aufwand sei derselbe, die Antwort des Bundes dann aber eine klare und verbindliche.

Kein Kompromiss zwischen Umwelt- und Jagdverbänden

Die Aussage von Ernst Gnos im Artikel der Urner Zeitung ist irreführend. Den Ausgang des runden Tisches als Kompromiss zwischen Umweltverbänden und Jägerschaft zu bezeichnen ist entweder durch den Autor falsch wiedergegeben oder tendenziös geäussert worden. Weder gab es ein Treffen von Umwelt- und Jagdverbänden (es handelte sich um einen runden Tisch des Kantons), noch gibt es einen Kompromiss aus den dortigen Gesprächen. Und sehr wahrscheinlich gibt es auch keine baldige Regulation des Luchses, denn die Kriterien für eine Regulation sind gemäss der vom Kanton präsentierten Sachlage nicht ausreichend erfüllt. Der Kanton hat sich nun die Aufgabe gegeben, ein Gesuch um Regulation an den Bund zu stellen. Aufgrund der Ausgangslage darf allerdings bezweifelt werden, ob dieses Gesuch Erfolg haben wird. Sollte der Regulation vom Bund wider Erwarten grünes Licht erteilt werden, können die Umweltorganisationen von ihrem Beschwerderecht Gebrauch machen.

Regionale Lösung interessiert nicht

Der WWF Uri hat am runden Tisch des Kantons angeregt, in einer Arbeitsgruppe unter der Leitung des Kantons eine regionale Lösung zur Luchs-Thematik in Uri zu entwickeln. Es mochte sich aber niemand dafür erwärmen. Wahrscheinlich werden es deshalb einmal mehr der Bund oder der Gesetzgeber sein, die den Weg weisen. 

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