Projekt Hochwasserschutz und Renaturierung Reuss

31. März 2015

Nach dem Hochwasserschutz- und Renaturierungsprojekt Kleine Emme folgt ein weiteres Jahrhundertprojekt in diesem Bereich für die Reuss. Ab Reusszopf bis zur Kantonsgrenze zu Zug und Aargau soll die Reuss auf einer Länge von 13,2 km hochwassersicher werden und zum Teil renaturiert werden. Der WWF kennt dieses Projekt seit dem Start und sitzt in einer Begleitgruppe. Zusammen mit Pro Natura Luzern und Aqua Viva hat der WWF an einer letzten Vernehmlassung vor der Projektauflage teilgenommen. Die für die Umweltorganisationen wichtigen Themen wurden aufgeteilt. Der WWF hat sich der Geschiebeproblematik und der Morphologie angenommen und beiliegende Stellungnahme an den Kanton gesendet.

Stellungsnahme des WWF zum Bauprojekt für den Hochwasserschutz und die Renaturierung Reuss

Vertreter des WWF Luzern begleiten das wegweisende und spannende Wasserbauprojekt Reuss seit Beginn der Planung. In vielen Begleitgruppen-Sitzungen und Stellungnahmen konnten wir in Zusammenarbeit mit Pro Natura Luzern auf die Anliegen der Ökologie bei diesem Hochwasserschutz- und Renaturierungsprojekt hinweisen. Für diese Möglichkeit möchten wir vorab herzlich danken. Mit der Mitarbeit der Umweltverbände konnten sicher einige positive Aspekte für die Natur erreicht werden, andere von uns eingebrachte Anregungen blieben auf der Strecke.

Sie haben uns nun vor der Projektauflage nochmals die Gelegenheit gegeben, in einer letzten Stellungnahme zum Dossier „Hochwasserschutz und Renaturierung Reuss, Bauprojekt“ unsere Aspekte einzubringen. Die Umweltorganisationen nehmen diese Möglichkeit wahr. Pro Natura Luzern, Aqua Viva und WWF haben sich in einer Sitzung die uns wichtigsten Themen diskutiert und aufgeteilt. Wir haben untereinander Kenntnis der verschiedenen Stellungnahmen und stützen diese jeweils zu hundert Prozent.

Der WWF hat sich mit dem Thema „Geschiebehaushalt und Morphologie“ auseinandergesetzt. Um die Auswirkungen des Projekts auf diesen Bereich genau abschätzen zu können, hat der WWF Schweiz eine Stellungnahme bei der Flussbau AG, Zürich in Auftrag gegeben. Dieses Papier, das unserer Eingabe beiliegt, bildet die Grundlage für die nachfolgend formulierten Anträge des WWF.

Die Umweltorganisationen haben wie bereits formuliert zu vielen Kompromissen ja gesagt. Die nun von der Forst- und Landwirtschaft formulierten Forderungen, das Projekt sei überdimensioniert, werden wir nicht akzeptieren. Dieser Zielgruppe muss nochmals vor Augen geführt werden, dass heute auch im Rahmen eines Hochwasserschutzprojektes der natürliche Flusslauf soweit wie möglich wieder hergestellt werden muss (Art. 37 GschG).

 

Auswirkung auf den Geschiebehaushalt und die Morphologie

Anträge WWF aufgrund der flussbaulichen Stellungnahme vom 20. März 2015

Antrag 1

Weil das Projekt nachweislich zu einer starken Beeinträchti­gung des Geschiebehaushalts, der Morphologie, der morpho­logischen Dynamik und damit des gesamten aquatischen und terrestrischen Lebensraums führt, fordern wir, dass das Projekt bezüglich Geschiebebewirtschaftung und der Lage der Reusssohle überarbeitet wird. Dies wird auch Folgen auf die Höhe der neu zu berechnenden Hochwasserdämme haben.

Antrag 2

Lage der Reusssohle:

Die Reussohle soll sich am Gleichgewichtszustand der Refe­renzperiode 1938 - 1951 orientieren.

In den Reussabschnitten, die nicht aufgeweitet werden, kann der Gleichgewichtszustand von 1938 - 1951 als Inter­ventionssohle definiert werden. In den aufgeweiteten Ab­schnitten wird sich eine höhere Sohlenlage einstellen.

In den nicht aufgeweiteten Reussabschnitten darf die Sohle höchstens 20cm tiefer als die Interventionssohle liegen.

Damit resultiert eine mögliche Schwankungsbreite der Reuss­sohle in den nicht aufgeweiteten Abschnitten von 20cm. Aufgrund der grossen Speicherwirkung der Reussohle ist eine Schwankungsbreite von 20cm ausreichend: Für eine Sohlen­anhebung von 20cm im Luzerner Reussabschnitt müssten rund 150’000m3 Geschiebe abgelagert werden, was der 10-fachen jährlichen Geschiebefracht entspricht. Mit den ge­planten Aufweitungen wird der Speicher der Sohle noch grösser. Auch bei grossen Hochwasserereignissen wird mit keinen bedeutenden Sohlenauflandungen zu rechnen sein, wie das Ereignis von 2005 zeigt.

Antrag 3

Geschiebebewirtschaftungsplatz Schiltwald:

Auf den Geschiebebewirtschaftungsplatz Schiltwald ist zu verzichten. Bei einer angemessenen Lage der Reusssohle gemäss Antrag 1 ist die Kiesentnahmestelle nicht erforderlich.

Damit kann der 800m lange Abschnitt der natürlichen Ent­wicklung überlassen werden und das wiederkehrende Aus­baggern der Sohle mit entsprechender Zerstörung vorhande­ner Strukturen und Lebensräume entfällt.

Antrag 4

Geschiebebewirtschaftungsplatz Mündung Kleine Emme / Reusszopf:

Beim Geschiebebewirtschaftungsplatz Kleine Emme / Reusszopf wird nur so viel Kies entnommen, dass sich die Reusssohle im Schwankungsbereich gemäss Antrag 1 bewegt.

Aufgrund der früher erfolgten Kiesentnahmen (z.B. 1991 – 2001) kann davon ausgegangen werden, dass demnach weni­ger als 4’000m3/a Kies entnommen werden müssen.

Damit würden der Reuss durchschnittlich mindestens 11’000m3/a Geschiebe zugeführt, was rund 75% der Geschie­befracht im unbeeinflussten Zustand entspricht.

Unter diesen Verhältnissen kann davon ausgegangen werden, dass der Geschiebehaushalt nicht wesentlich beeinträchtigt wäre und die im Projekt definierten morphologischen und ökologischen Ziele auch tatsächlich erreicht würden.

Antrag 5

Die Dammhöhen sind gemäss der Sohlenlage im Antrag 1 zu dimensionieren. Eingebaute Reserven (Freibord KOHS +10cm, Reserve Sohlenauflandung bei Dimensionierungs­hochwasser von 20cm, Schutzziel Emmen) sind zu hinter­fragen.

 

Kostenfolgen

Die gestellten Anträge haben verschiedene Auswirkungen auf die Baukosten:

•       Infolge der höheren Sohlenlage kann das kostenintensive, tiefe Fundieren des Uferschutzes mit Wasserhaltung erheb­lich reduziert werden.

•       Unter Voraussetzung eines unveränderten Hochwasser­schutzes müssen die Dämme um ein bestimmtes, noch zu berechnendes Mass erhöht werden. Die erforderliche Dammerhöhung fällt im Längenprofil sehr unterschiedlich aus und dürfte zwischen 0 und 0.8m liegen. In diesem Zusammenhang ist das Schutzziel bei Emmen (das 1.15-fache eines EHQ) und generell die Freibordhöhe (> Vor­gabe KOHS) zu hinterfragen.

•       Auf die Zufahrten zum wegfallenden Geschiebebewirt­schaftungsplatz Schiltwald kann verzichtet werden.

•       Die regelmässig anfallenden Unterhaltskosten für die Kies­bewirtschaftung können stark reduziert werden.

Wir gehen davon aus, dass bei Berücksichtigung der Anträge 1 - 4 die Bau- und Unterhaltskosten insgesamt tendenziell redu­ziert werden können.

 

Link zur Flussbaulichen Stellungnahme 

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