Überschäumende Gewässerperle Meienreuss

09. Juli 2019

Schäumende Schönheit: die Gewässerperle Meienreuss. Unter diesem Titel wurde die Exkursion des WWF Uri an den Zufluss der Reuss angekündigt. Der einzigartige Bach machte der Ankündigung am 30. Juni alle Ehre, führte Rekord-verdächtige Mengen an Wasser und zeigte sich gar überschäumend. Auch die Artenvielfalt im Bach begeisterte die Teilnehmer.

Meienreuss Färnigen Aue (c) Graziella Jannetta WWF

Bestimmen von Wasserlebewesen (c) Graziella Jannetta WWF

(c) Doris Graf WWF

 Auch Einheimische bestätigten es: So viel Wasser führte die Meienreuss noch selten. Die knapp 30 Grad Celsius Lufttemperatur und das wolkenlose Wetter führten zu Rekord-Schmelzwasser. Im Zentrum der WWF-Exkursion stand denn auch die Meienreuss, eine WWF-Gewässerperle. In einem Atelier führten zwei Experten die knapp 25 Teilnehmer in die Welt der Wasserlebewesen ein. Wohl kaum jemand hätte erwartet, dass die eiskalte und schäumende Meienreuss derart vielen Tieren Lebensraum bietet. Die Teilnehmer sammelten unter kundiger Anleitung der Experten Strudelwürmer und die Larven verschiedener Zuckmücken, Köcher-, Stein – und Eintagsfliegen im Schutz der Steine. Am meisten imponierten zwei an ihre raue Umgebung auf besondere Art angepasste Tierarten: Eine Lidmücke, deren Larven sich dank Saugnäpfen in den stärksten Strömungen behaupten und eine räuberische Köcherfliege ohne Köcher, die sich im Sammelbecken gleich ans Angreifen anderer Köcherfliegen machte.

 

Grosse biologische Vielfalt

Die Meienreuss beherbergt eine hohe Vielfalt von solchen Kleintieren, im Fachjargon Makrozoobenthos genannt. Bei vielen dieser Tiere handelt es sich um Insekten, die die grösste Zeit ihres Lebens als Larve im Wasser verbringen. Nach zahlreichen Häutungen – einige Insektengruppen verpuppen sich auch - entwickeln sich die Tiere erst im letzten Lebensstadium zu der fliegenden Form, die wir Menschen noch am ehesten kennen. Die nun voll entwickelten Tiere fliegen synchron am selben Tag aus. Sie nehmen dann keine Nahrung mehr auf. Ihre einzige Bestimmung ist die Paarung und die Eiablage ins Wasser für die Entstehung einer nächsten Generation.  

 

Schutz von Gewässerperlen lohnt sich

Über 95% der nutzbaren Potentiale für Energie aus Wasserkraft in der Schweiz sind ausgeschöpft – Europarekord. Kein Wunder also, sind bei uns in der Zwischenzeit mehr als die Hälfte der Fischarten ausgestorben oder bedroht. Begradigungen, Hindernisse und Staustufen haben dazu geführt, dass Fische bei ihren Wanderungen behindert sind und geeignete Laichgebiete selten geworden sind. Auch Kleintiere sind in den stark verbauten Flüssen wie der Reuss stark zurückgegangen. Die Meienreuss ist mit ihrem Kleintierreichtum deshalb doppelt wichtig, einerseits als Refugium für Kleintiere und andererseits als Nährfluss für die Fische der Reuss.  Viele der Kleintiere werden bei Hochwasser losgerissen und abgeschwemmt und dienen Fischen als Nahrung. Der WWF macht sich für den Schutz naturnaher Gewässer stark, insbesondere für den Schutz der 64 Gewässerperlen in der Schweiz, zu denen die Meienreuss gehört. Solche Gewässerperlen sind Naturobjekte von besonderem Wert, auch für uns Menschen. Wer die schäumenden Fluten und den Reichtum an Lebewesen im Bach während der Exkursion gesehen hat, wird den Zusammenhang ungestörter Bäche und Biodiversität nie mehr vergessen.

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