Uri im Zeichen des Wassers

28. April 2018

Sommerliche Temperaturen herrschten an der GV des WWF Uri. Naturschützer, Kraftwerkbetreiber, Behörden und Interessierte trafen sich in Erstfeld zum Thema Wasserkraft. Schäumende Bäche und Turbinen, die erstmals in diesem Jahr wieder unter Volllast liefen, bereiteten trotz unterschiedlicher Haltungen zum Thema allen Beteiligten einen gefreuten und interessanten Abend.

Anschliessend an die von Ernst Dittli traditionell kurz gehaltene Generalversammlung des WWF Uri, trafen sich fast 30 Personen bei den Gemeindewerken Erstfeld zu einem Abend, der Uri’s Gewässer ins Zentrum der Diskussionen stellte. Kurt Eichenberger, Geschäftsleiter des WWF Uri rollte die Geschichte der Wassernutzung in Uri auf und erklärte die daraus abgeleitete Haltung des WWF gegenüber der Wasserkraft. Peter Dittli führte die Gäste durch das Kraftwerk Bocki und erklärte die Massnahmen, die von den Gemeindewerken zu Gunsten der Natur erbracht wurden. Diese führten zur Auszeichnung «nature made star», Wasserstrom also mit einem ökologischen Gütesiegel.

Vom Wasser geprägter Kanton Uri

In seinem Referat führte Kurt Eichenberger das Publikum durch die prägende Geschichte der Wassernutzung in Uri. Seit dem Gründungsdatum der Eidgenossenschaft 1291 sind in Uri Mühlen verbrieft. Ab dem 14. Jahrhundert siedelte sich immer mehr Kleingewerbe in Uri an und bediente sich der Energie des Wassers, so zum Beispiel am Dorfbach von Altdorf. Dies machte Altdorf schon früh zum wirtschaftlichen Zentrum des Kantons. Auch die heutige Dätwyler AG hat ihren Ursprung am Dorfbach, wo die ursprünglich «Draht und Gummiwerke AG» 1909 gegründet wurde. Die Industrialisierung in Uri wurde ermöglicht durch die Elektrifizierung, die 1895 in Bürglen ihren Anfang fand. Sie katapultierte die bis dahin fast vollständig bäuerliche Gesellschaft in die Moderne.

Strom verändert die Welt

Die Bürgler Zentrale versorgte Teile von Altdorf mit Licht, ermöglichte den Betrieb einer Strassenbahn zwischen Flüelen und Altdorf und belieferte die damalige Munitionsfabrik mit Strom. Gleichzeitig war das Kraftwerk in Bürglen die Geburtsstunde des Elektrizitätswerks Altdorf EWA. Ab diesem Zeitpunkt war Uri über Jahrzehnte in Sachen Stromerzeugung an vorderster Front. Nach dem 1. Weltkrieg wurde die Zentrale Amsteg gebaut, die es ermöglichte, die Gotthardbahn zu elektrifizieren. Die stets teurer werdende Kohle trieb diese Bestrebungen voran. Die 1922 fertiggestellte Zentrale war das damals stärkste Kraftwerk der Schweiz. Zwischen 1920 und 1951 bewegte der von CKW geplante Urseren Stausee nicht nur die Strombranche, sondern auch die Gemüter der Urschner. Deren Widerstand und eine geplatzte Übernahme der Konzessionshoheit für Grosskraftwerke durch den Bund führte dazu, dass die CKW schliesslich ihre Pläne aufgab. Es wäre der grösste Stausee der Schweiz geworden und hätte damals die Hälfte des Schweizer Stroms geliefert. 1963 wurde von der CKW der Göscheneralpstausee realisiert, noch heute der grösste Stausee auf Urner Boden.

Konflikte mit Natur- und Landschaftschutz

Die Blütezeit der Wasserkraftwerke dauerte von den Nachkriegsjahren bis etwa 1970. Ab dann waren schweizweit die grossen und geeigneten Potentiale weitgehend ausgeschöpft. Heute kratzt man an den Restpotentialen, und dies oft im Konflikt mit Natur- und Landschaftsschutz. 95% der geeigneten Potentiale sind erschlossen. Die Schweiz ist Europa-, wenn nicht sogar Weltmeister in der Nutzung der Wasserkraft. Die Gewässerlebensräume stehen massiv unter Druck und gehören zu den am stärksten bedrohten Ökosysteme. Viele Fischarten sind bedroht oder gar ausgestorben. Weiteren ans Wasser gebundenen Lebewesen geht es nicht besser. Dies sind die Gründe, weshalb sich der WWF gegen den Bau weiterer Kleinwasserkraftwerke einsetzt. Die rar gewordenen verbleibenden Gewässerperlen sollen geschützt und nicht genutzt werden. Umso mehr, als dass die heute in Uri geplanten Werke 80 – 85% Sommerstrom liefern. Gebraucht wird aber Strom im Winter.

WWF zeigt Alternativen auf

Dem WWF geht es nicht um ein Bashing der Wasserkraft. Wasserkraft bildet die wichtigste Stromerzeugungsform in der Schweiz. Zum heutigen Zeitpunkt ist es aber wichtig, dass in Effizienz investiert wird und in komplementären Strom, der im Winter erzeugt werden kann. In Uri wäre es wichtig, das Projekt des Göscheneralpstausees zu reaktivieren, welches 2009 an Differenzen zwischen Kanton und CKW bezüglich Restwertbemessung scheiterte. Die damalige Erhöhung der Staumauer würde eine Verlagerung der Stromproduktion in den Winter ermöglichen. Für Kleinkraftwerke gilt: weniger ist mehr. Auf Kraftwerke wie im Meiental soll verzichtet werden. Solche einzigartigen und abwechslungsreichen Gewässerperlen sind äusserst selten geworden. Sie gehören für den WWF für die Natur und unsere Nachwelt erhalten.

Kraftwerk Bocki als Vorbild

Die zahlreichen heute in Uri geplanten Kleinwasserkraftwerke lassen sich ohne Einspeisevergütung nicht wirtschaftlich betreiben. Rechtlich lassen sie sich aber kaum verhindern. Deshalb achtet der WWF darauf, dass sie möglichst ökologisch gebaut werden, nötigenfalls über den Druck von Einsprachen. Vorbild für ein ökologisch gebautes Werk ist das Kraftwerk Bocki der Gemeindewerke Erstfeld, das im Nachgang zum Referat besucht wurde. Geschäftsleiter Peter Dittli stellt die Kraftwerkszentrale und die ökologischen Massnahmen vor, die erbracht werden mussten, um das Label «naturemade star» zu erlangen. Der von den Gemeindewerken gespendete Apéro fand vor den Toren des Turbinenhauses statt. Die Diskussionen zwischen Umweltschützern, Kraftwerkbetreibern, Behörden und Interessierten waren intensiv und werden in diesem Jahr nicht so schnell abebben. Nicht ohne Symbolik liefen die Turbinen zum ersten Mal unter Volllast.

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