Zeit für konsequenten Herdenschutz

14. November 2018

In der heutigen Session hat der Landrat die Volksinitiative «Zur Regulierung von Grossraubtieren im Kanton Uri» angenommen und entschieden, dass dem Volk eine angepasste Initiative unterbreitet wird. Der WWF fordert die Ablehnung der Initiative. Die Volksinitiative ist rückwärtsgewandt und behindert die Weiterentwicklung von guten Lösungen.

Wölfe erfordern Herdenschutz, nicht unnütze Volksinitiativen und Polemik! (c) Chris Martin Bahr, WWF

Kaspar Villiger wird das erste Mal Bundespräsident, die Foo-Fighters veröffentlichen ihr erstes Album, in Serbien tobt der Krieg und die achte Schweizer Banknotenserie kommt in den Umlauf. All diese Ereignisse fanden im Jahr 1995 statt. Ab diesem Jahr werden auch wieder regelmässig Wölfe in der Schweiz nachgewiesen.

Der Umgang mit dem Wolf funktioniert

Seither hat der Kanton Uri eine Schafalpplanung gemacht, der Bund viel Expertise gesammelt, den Herdenschutzapparat aufgebaut und die Finanzierung rechtlich abgesichert. Es ging also einiges in den letzten 23 Jahren. «Heute leben etwa 40 Wölfe in der Schweiz, es haben sich drei Rudel gebildet und die Konflikte sind überschaubar, wo der Herdenschutz richtig angewendet wird», sagt Fabian Haas, Verantwortlicher für das Thema Grossraubtiere beim WWF Zentralschweiz. Die jährlichen Risse bleiben trotz immer mehr Wölfen im schwankenden Jahresdurchschnitt relativ konstant. Mit der Initiative «Zur Regulierung von Grossraubtieren im Kanton Uri» wird versucht, das Rad zurückzudrehen. Und Politik und Volk müssen sich mit einer Initiative beschäftigen, die der Stimmungsmache dient und gemäss Regierungsrat nichts bringt.

95% der gesömmerten Schafe sterben nicht wegen dem Wolf

Die Alpsaison ist vorbei und damit auch die Zeit, in welcher der Grossteil der Risse an Nutztieren stattfindet. Wobei ein Blick in die aktuellen Zahlen zeigt, dass in der ganzen Zentralschweiz dieses Jahr gemäss der Kora 42 Nutztiere aufgrund des Wolfes finanziell entschädigt. Im Jahr 2017 wurden schweizweit 187 Nutztiere gerissen, das sind etwas weniger als der Durchschnitt der letzten zehn Jahre: Dieser beträgt etwa 250 Nutztierrisse. Dies entspricht ungefähr 0.01 % des gesömmerten Bestandes. Es sind also etwa 5 % der Schafe, die wegen Wölfen auf den Alpen sterben, die restlichen 95 % sterben durch Krankheit, Murgänge, Abstürzen oder aufgrund des Wetters. Zudem ereigneten sich über 90% aller Risse im Jahr 2017 gemäss der Agridea in ungeschützten Herden.

Probleme nachhaltig lösen

„Der Wolf kommt zurück in den Alpenraum und dies fordert uns alle heraus, gemeinsam Lösungen für ein nachhaltiges Zusammenleben mit Wolf, aber auch Luchs und Bär zu finden.“ sagt Christa Riedi, Vorstandsmitglied des WWF Uri. «Es ist an unserer Generation, dem Wolf einerseits Platz zu lassen und andererseits, Probleme in der Landwirtschaft und die damit verbundenen Konflikte ernst zu nehmen und den Herdenschutz weiter auszubauen.»

Initiative ablehnen

Jetzt liegt es an der Urner Bevölkerung den Entscheid des Landrates zu kippen und die Symbolpolitik nicht zu unterstützen. «Denn eine individuelle Lösung im Kanton Uri ist absurd, die weitwandernden Wölfe halten sich nicht an Landesgrenzen und schon gar nicht an Kantonsgrenzen.», so Riedi. Die Forderungen der Initiative sind weitgehend wirkungslos oder werden bereits erfüllt und haben so kaum Konsequenzen für die gängige Praxis. 

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