Rückblick Vollenweider Lecture: Umgang mit Biodiversitäts- und Klimakrise im Zeitalter des Populismus
11. März 2026
Blick zurück auf die Vollenweider Lecture vom 5. Februar 2026
Text: Joy Rohrer, Schülerin der Klasse G24d der Kantonsschule Musegg Luzern, sowie
Michael Portmann, Geschichtslehrer der Kantonsschule Musegg Luzern.
Die Veranstaltung thematisierte, wie man in einer Zeit von Biodiversitätsverlust und Klimakrise über Umweltprobleme spricht – und zwar unter den erschwerten Bedingungen eines zunehmenden Populismus. Thomas Vellacott (WWF Schweiz) zeigte in seinem Referat, warum viele Menschen zwar wissen, dass die Lage ernst ist, aber trotzdem das Gefühl haben, kaum etwas bewirken zu können. Anschliessend wurde diese Frage im Podiumsgespräch mit Vertreterinnen und Vertretern aus Schule, Politik und Naturschutz weiterdiskutiert: Wie erreicht man Menschen heute noch mit Fakten, wie geht man mit Desinformation um – und wie bleibt man handlungsfähig?
Referat: Thomas Vellacott, CEO WWF Schweiz
In der heutigen Zeit wissen wir alle, dass wir mitten in der Biodiversitäts- und Klimakrise stecken und wir dringend etwas an unserem Verhalten ändern müssen. Ansonsten drohen uns viele weitere und wahrscheinlich noch viel verheerendere Folgen, als diejenigen, die wir bis jetzt schon zu spüren bekommen haben. Ein paar Beispiele dazu: Noch nie war die CO2- Konzentration in der Erdatmosphäre so hoch wie zum jetzigen Zeitpunkt, die Artenvielfalt der Tiere sinkt, die Anzahl der Wildtiere geht zurück und unzählige weitere Dinge. In Wirklichkeit ist sich unser Volk der Probleme bewusst und die Mehrheit davon ist vollkommen bereit dafür, etwas gegen all diese Dinge zu tun. Doch woran liegt dann unser Problem und wieso verändert sich trotzdem nichts? Wir hören in den Medien nur immer die negativen Nachrichten und dass die Auswirkungen der Biodiversitäts- und Klimakrise schon so weit fortgeschritten seien, dass man fast nichts mehr dagegen tun könne. Dies wird mit dem Ziel gemacht, das Interesse beim Volk zu wecken. Doch was diese negativen Einstellungen stattdessen tun, ist, das Volk einzuschüchtern und den Menschen das Gefühl zu geben, es sei sowieso schon zu spät und man könne nichts mehr dagegen tun. Dazu kommen die noch immer vorhandenen Klimalügnerinnen und Klimalügner. Ihr Hauptargument war früher, dass es den Klimawandel gar nicht gäbe, doch heutzutage, dass all die Massnahmen gar nichts nützen würden. Somit glauben rund zwei Drittel der Menschen in der Schweiz, dass wir nicht in der Lage sind, diese Krise zu lösen. Auch wenn die Mehrheit der Menschen mehr Klimaschutz möchte, glauben die meisten, sie seien in der Minderheit und können nichts bewirken. Einzelpersonen haben das Gefühl, sie allein können nichts erreichen und deswegen fängt niemand an, etwas zu unternehmen. Doch genau hier muss sich etwas ändern. Wir Menschen sind der Natur nicht überlegen, wir sind ein Teil davon. Die Medien sollen uns auch Massnahmen und Lösungen zeigen, die bis jetzt sehr gut funktionieren und vieles schon verbessert haben. Sicherheit, Gesundheit und Umwelt sollten nicht getrennt voneinander betrachtet werden, denn alle sind voneinander abhängig. Wenn wir zusammenhalten und gemeinsam Lösungen entwickeln, haben wir eine grosse Chance, noch vieles verändern zu können. Es ist nie zu spät, um anzufangen, es ist erst zu spät, wenn alle die Hoffnung verloren haben und das wird nicht passieren!
Im anschliessenden Podiumsgespräch wurde das Referat praxisnah weitergeführt. Besonders sichtbar wurde, wie stark Jugendliche zwischen Informationsflut, Social Media und klassischen Medien stehen: Einerseits sind Umwelt- und Klimathemen präsent, andererseits gehen sie im Alltag oft unter oder wirken überwältigend. Diskutiert wurden auch Desinformation und die Rolle von Algorithmen – nicht nur «Fake News», sondern auch das Problem, dass wichtige Entwicklungen und Fortschritte zu wenig vorkommen. Regierungsrat Fabian Peter fragte nach, wie die klassische Politik die Jugendlichen denn besser erreichen könnte, was zu angeregten Diskussionen führte, wenngleich eine der Jugendlichen sich bereits komplett von Social Media distanziert hat. Gleichzeitig machte das Podium deutlich, dass Handeln auf verschiedenen Ebenen möglich ist: politisch (z.B. über Mehrheiten und Kompromisse), gesellschaftlich (z.B. gemeinsame Projekte) und persönlich (z.B. realistische Veränderungen ohne Perfektionismus). Insgesamt blieb als Fazit, dass die grösste Hürde weniger das fehlende Wissen ist, sondern das Gefühl von Ohnmacht – und dass genau dagegen gemeinsames Handeln und «dringender Optimismus» helfen können.
Die ganze Vollenweider Lecture kann unter https://youtu.be/vlGUoSuMg5U nachgeschaut werden (Referat 26’30'' anschliessend Podium; total 1 h 31’):


