Titlis: Umweltverbände wollen umweltfreundlicheren Ausbau

03. Juni 2020

Pro Natura, WWF und VCS reichen Einsprache ein gegen das Ausbauprojekt «Titlis 3020». Sie plädieren für einen umweltfreundlicheren Ausbau.

Die Bergbahnen Titlis AG planen eine zweite Seilbahn-Linie vom Stand auf den Klein-Titlis, mit neuen Stationen, einem grossen Umbau der Bergstation sowie einer Umnutzung des Richtstrahlturms. Gegen diese überdimensionierten Ausbaupläne haben die Umwelt- und Verkehrsverbände Pro Natura, WWF und VCS nun Einsprachen eingereicht. Sie sind nicht grundsätzlich dagegen, sehen aber noch grosses Optimierungspotential im Projekt. Sie setzen sich deshalb für einen Ausbau ein, bei dem die Umwelt weniger Schaden nimmt.

Unkoordinierte Verfahren

Das Projekt «Titlis 3020» beinhaltet verschiedene Planungsebenen und mehrere involvierte Stellen (Bundesamt für Verkehr, Kanton Obwalden, Gemeinden Engelberg und Wolfenschiessen). Aufgrund der aufgelegten Gesuchunterlagen gelangen die einsprechenden Verbände zum Schluss, dass eine Koordination all dieser Verfahren zwingend ist, da diese gegenseitig voneinander abhängig sind.

Leider wurde zum Beispiel das Baugesuch zum Umbau des Richtstrahlturm separat und losgelöst von den anderen Planungen schon vorgängig durchgeführt. Zentral ist, dass die Anpassung des kantonalen Richtplans Obwalden, die beiden Zonenplanungen von Engelberg und Wolfenschiessen und das Plangenehmigungsverfahren gemäss Seilbahngesetz nun umfassend aufeinander abgestimmt werden, um die komplexen raumplanerischen, umweltrechtlichen, verkehrstechnischen und alle weiteren Aspekte zu erfassen und abzuwägen.

Ungenügende Abklärungen

Der Umbau des bestehenden Richtstrahlturms mit Restauration, die neue grosse Bergstation auf dem Klein-Titlis und die parallele zweite Seilbahn vom Stand auf den Klein-Titlis bewirken einen Ausbau der touristischen Infrastruktur, eine Steigerung der Attraktivität des Gebiets sowie grössere Auswirkungen auf Natur und Landschaft. Die einsprechenden Verbände sind nicht grundsätzlich gegen die intensive touristische Nutzung des Titlis, sehen aber bei den nun geplanten Projekten viele ungeklärte Aspekte und setzen einige Fragezeichen.So sollen beispielsweise auf dem Titlis mehrere grössere Verkaufsläden und Gastro-Angebote entstehen. Hierbei stellt sich die Frage, ob solche Konsumangebote auf einem hochalpinen Berggipfel am richtigen Ost stehen, und ob sich die geplanten Bauten nicht kleiner und angepasster realisieren liessen.

Ein anderer unklarer Punkt ist die Nutzung der zweiten neuen parallelen Pendel-Seilbahn. Diese wirkt nicht nur landschaftlich störend, sie ist zudem bedarfsmässig nicht begründet. Im Gesuch werden ausserdem widersprüchliche Angaben zur künftigen Nutzung der neuen Bahn gemacht. Die Einsprechenden fordern, dass diese lediglich als Bau- und Transportbahn befristet erstellt werde, oder dass zumindest in einem verbindlichen Betriebsreglement festgehalten werden, wann und für welche Zwecke diese Seilbahn künftig betrieben werden soll.

Ungelöste Verkehrsfragen

Die Attraktivitätssteigerung des Titlis wird zu einer Zunahme der touristischen Verkehrsströme führen. Bereits heute ist das Strassensystem im Engelbergertal jedoch am Anschlag. Leider liegt der Planung der Titlisbahnen jedoch kein Gesamtverkehrskonzept zu Grunde, und der erarbeitete Verkehrsbericht basiert auf veralteten bzw. lückenhaften Daten. Die Verbände fordern daher eine fundierte Datengrundlage, ein Konzept und griffige Massnahmen, um die Verkehrsprobleme v.a. beim motorisierten Individualverkehr (MIV) in den Griff zu kriegen.

Ungenügende ökologische Kompensationen

Die geplanten Bauten und Anlagen befinden sich im sensiblen hochalpinen Berggebiet. Betroffen ist auch ein kantonales Pflanzenschutzgebiet. Einerseits wird die Bauphase zu Störungen in der Natur führen. Zudem planen die Titlisbahnen grössere Bauten und Anlagen als heute, Mehrnutzungen gegenüber den heutigen Besucherzahlen, und u.a. künftig nächtliche Events auf dem Gipfel. Daher fordern die Einsprechenden verbindliche und rechtskräftig festgelegte ökologische Kompensationen. Die von den Titlisbahnen im Umweltbericht aufgelisteten Ausgleichsmassnahmen sind ungenügend und bisher lediglich eine Ideensammlung. 


Rückfragen an:

Marc Germann, Geschäftsführer WWF Unterwalden

Tel.: 041 417 07 23

marc.germannnoSpam@wwf.noSpamch

 

Seraina Bamert, Geschäftsführerin Pro Natura Unterwalden

Tel.: 041 240 55 54

pronatura-uwnoSpam@pronatura.noSpamch

 

Daniel Daucourt, Präsident VCS Ob- und Nidwalden

Tel.: 077 445 73 67

infonoSpam@vcs-ownw.noSpamch

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